Arbeitshintergrund
In unserer Orientierung auf das 'Außen' vergessen wir oft, dass die Erfüllung , die wir dort suchen - etwa in Beziehungen, Tätigkeiten etc - sich nur einstellen kann, wenn das im Außen erlebte mit etwas in unserem Inneren in Resonanz gehen kann. Selbst positive Erfahrungen fühlen sich leer an, wenn wir nicht fühlen können, dass sie unser Inneres nähren, und die Suche nach immer Neuem ersetzt das Finden von innerer Fülle.

Vielfach ist uns aber die Wahrnehmung unseres Inneren und damit auch innere Erfülltheit schwierig oder ganz unmöglich geworden und läßt sich auch durch noch so ausdiskutierte Konzepte, die wir über unsere Persönlichkeit haben, nicht ersetzen. Wenn wir z.B. die Zuneigung, die uns entgegen kommt, nicht im Inneren fühlen und sie deshalb dem anderen nicht glauben, nützt das Analysieren des Umstands meistens wenig. Leere und Suche bleiben.

Dieses Dilemma gründet auf der menschlichen Fähigkeit, im Sinne einer Anpassungsleistung an die jeweiligen Gegebenheiten des Lebens, innere Wahrnehmung (Körpersensationen, Gefühle und Intuition) zu kontrollieren. Werden Gefühle oder Körpersensationen und damit der Kontakt zu unserem Inneren zu unangenehm oder bedrohlich, können wir sie auf Dauer aus dem Alltagsbewußtsein ausblenden. Das genau geschieht, wenn wir über längere Zeit schmerzhaften oder beängstigenden Umständen ausgesetzt sind und uns nicht entziehen können. Kinder, die lieblosen und unterdrückenden oder sonstwie unangemessenen Lebensumständen ausgeliefert sind, reagieren immer mit schmerzhaften physischen inneren Verkrampfungen und überfordernden Emotionen wie z.B. Angst und unerlaubter Wut, da ihre Aussenwahrnehmung sowie ihre Körperwahrnehmung hochsensibel angelegt ist. Dauern diese Empfindungen und Gefühle mit physischem Sitz in den Organen in Streßsituation ohne Lösung an, muß die innere Körperwahnehmung schlechthin im Sinne einer Schutzmaßnahme aus dem Bewußtsein verdrängt werden, um eine Anpassung an die Lebenserfordernisse und weitere Entwicklung zu ermöglichen. Das 'Einssein' mit sich selbst durch bewußtes Spüren unseres Allerinnersten, sprich der Körperorgane als physischem Korrelat einer gesunden Ichempfindung und Sitz elementarer Gefühle wie Liebe, Zorn, Lust, Schmerz, wird geopfert im Sinne einer (Über-)lebensstrategie, weil dieses Spüren nicht mehr wie ursprünglich eine natürliche Quelle von Kraft und Lebensfreude ist, sondern zur Überforderung geworden ist.

Diese Ausblendung der inneren Wahrnehmung bleibt tendentiell über die belastende Situation hinaus bis ins Erwachenenalter bestehen. Sie ist nicht nur eine psychische Blockade im Informationsverarbeitungsprozeß einer Person, sondern vielfach physisch repräsentiert durch Verspannung und Sensibilitätsstörungen, Unfähigkeit, den Körper als ein 'Ganzes' zu fühlen und Verflachung des Atems, was wiederum als solches nicht mehr wahrgenommen wird, da dieses reduzierte Lebensgefühl schleichend zum Normalzustand wurde. Was nun erlebt wird, sind unter Umständen körperliche Symptome, Energie- und Kraftlosigkeit, vor allem aber die Dämpfung der Gefühle, innere Unfreiheit, die sich in äußerer Unfreiheit widerspiegelt, entmutigende Unfähigkeit, sich auf Beziehungen einzulassen und zu lieben sowie entweder rastlose Suche nach mehr Lebenserfüllung oder Depression.

Ein dauerhaft erfolgreicher Heilungsprozeß setzt eine Umkehr der beschriebenen inneren Entfremdung voraus. Da letztere im beschriebenen Sinn nicht nur ein psychisches Phänomen ist (als das sie oft verstanden wird), sondern physisch repräsentiert ist (s. dazu Wilhelm Reich) muß die Ebene des Körpers notwendigerweise in diesen Prozeß mit einbezogen werden. Die verbreitete Frustration über folgenloses Analysieren und 'Verstehen' der eigenen leidvollen Begrenzungen und deren mögliche Ursachen spiegelt diesen Umstand.

Das soll nicht zwangsläufig bedeuten, dass allein die Körpertherapie heilsam sein kann. Jede intensive Erfahrung oder Begegnung, ob 'therapeutisch' oder nicht, kann zu einem erleichternden, beglückenden Einigsein mit sich selbst führen, vorausgesetzt körperliche Blockaden können sich dabei lösen und 'alte Gefühle' können im Sinne einer Reinigung ausgedrückt und losgelassen werden. Das ist auch möglich in therapeutischen Settings, die sich hauptsächlich auf den sprachlichen Ausdruck stützen. Ein direkterer Zugang ist meiner Erfahrung nach die ausdrückliche Einbeziehung der Körperebene in das Selbsterfahrungsgeschehen, z.B. durch bewußte Prozesse von Körperbewegung, Atmung und ganzkörperlichen Ausdruck erlebter Gefühle (s. Vegetotherapie nach W.Reich).

In dem Maß, wie die Lebensenergie frei wird, die für die notwendige Verdrängung bedrohlicher Gefühle lange eingebunden war, stellt sich ein Zugewinn an Lebensfreude und innerer Freiheit ein, die unmittelbar mit äußerer Freiheit einhergeht. Es wächst ein natürliches Einverständnis mit uns selbst als kraftvolle Basis, unser Leben und unsere Beziehungen befriedigend, liebevoll und angemessen zu gestalten.


Beruflicher Hintergrund

Diplom (Ruhr-Universität Bochum)
Therapeutische Ausbildungen:
Verhaltenstherapie (im Rahmen des Studiums bei Dietmar Schulte)
Gestalttherapie (GTS, Leitung Ischa Bloomberg)
Vegetothearpie nach Wilhelm Reich (Michael Smith und Jürgen Christian)
Mehrjährige Arbeit in einer Suchtklinik (Leitung einer Entwöhnungsstation),
seitdem Gruppen- und Einzelarbeit in freier Praxis,
Ausbilderin für Körperpsychotherapie